Großstadtromane-Buchreihe

Historische Großstadtromane: Paris, die erste Metropole des modernen Europas

Großstadtromane – Rokoko Roman aus dem Paris des frühen 18. Jahrhunderts

Historischer Großstadtroman: Paris 1734 - Der Tortenzauberer

Historischer Großstadtroman

Paris 1734 – Der Tortenzauberer

Reinhard Skandera

5,99 €

inkl. gesetzlicher MwSt.

versandkostenfrei

Format: E-Book (ePub)

Klappentext

Paris, im Jahre 1734. Der junge Schönling André folgt einem Freund in die große Stadt Paris. Seine große Leidenschaft ist die Kreation von einzigartigen Torten. Bald nach seiner Ankunft erobert er die Herzen der Damen in der Höheren Pariser Gesellschaft. Dank innovativer Ideen steht er an der Spitze der Pariser Bäcker. Doch der Erfolg währt nur kurze Zeit. Er und seine Freunde sprengen Ketten. Geschichte wird lebendig, denn die Neuzeit wirft ihre Schatten voraus. Die wunderbare, bewegende Geschichte des André Roublar fesselnd und historisch anspruchsvoll erzählt. Versinken in eine andere Zeit.

Buchreihe Historische Paris Krimis: Verkaufsstelle Weltbild
Buchreihe Historische Paris Krimis: Verkaufsstelle eBook.de
Buchreihe Historische Paris Krimis: Verkausstelle Buecher.de
Buchreihe Historische Paris Krimis: Verkaufsstelle Hugendubel
Buchreihe Historische Paris Krimis: Verkaufsstelle Amazon
Buchreihe Historische Paris Krimis: Verkaufsstelle - Thalia

(Taschenbücher und Hardcover-Bücher nur bei Amazon)

Paris, in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Teil 2.

Teil 1 der Arbeit finden Sie unter dem Menüpunkt „Historische Paris Krimis“. Am Ende dieses Textes führt ein Link Sie dorthin.

Öffentliche Institutionen

Die Stadtverwaltung

Paris regierten im 18. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution eine Vielzahl von Hohen Beamten, deren Positionen sich im Laufe der Jahrhunderte gebildet hatten. Viele hatten lediglich zeremoniellen Charakter. Keiner von ihnen besaß die Macht über die Stadt. Der Vorsitzende der Kaufmannsgilde, einst ein mächtiger Mann, wurde vom König zu einem Repräsentanten degradiert. Den Handel, das Handwerk und andere Geschäfte regulierten königliche Handelsgerichte. Selbst die mächtigste Gesellschaft, die der Fluss-Kaufleute, wurde entmachtet. Schon im 17. Jahrhundert besetzte allein der König die leitenden Positionen, wie die des Bürgermeisters und des Statthalters. Bürgermeister und Stadtobere besaßen Prestige, aber keine Macht. Ihr Privileg bestand aus formeller Kleidung, kostenlosen Kutschfahrten und Teilnahmen an offiziellen Banketten. Einzig der Lieutenant General der Polizei besaß formale Autorität. Die Position war direkt dem König unterstellt. Er trug die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, überwachte Gewichte und Maße und sorgte für die Reinigung und Beleuchtung der Straßen.

Die Polizei

Ordnung und Sicherheit der Bürger sollten 2 Einheiten gewährleisten. Die Garde de Paris und die Guet Royal, die beide dem Kommando des Generalleutnants der Polizei unterstanden. Die Garde bewachte die Stadttore, das Rathaus und die Gefängnisse. Die Dragoner in der Truppe fungierten als Ehrengarde für die Bürgermeister, den Polizeipräfekten und den Präfekten des Département Seine. Die Mitglieder der Garde waren meist ehemalige Armeesoldaten aus den Provinzen, die wenig an Paris gebunden waren. Sie hatten ihr Hauptquartier im Viertel Saint-Martin und waren effiziente und zuverlässige Unterstützer der königlichen Regierung, die für die Niederschlagung von Unruhen in den Jahren 1709 und 1725 verantwortlich war.

Wohingegen die Mitglieder der Guet eine starke Verbindung zu Paris pflegten. Sie integrierten sich in die Nachbarschaft. Berüchtigt ihre Korrumpierbarkeit. Sie ließen sich bestechen, kassierten Provisionen, weil sie illegale Geschäfte deckten. Kurz, ihre materiellen Interessen wogen mehr, als ihr Wille, der Gerechtigkeit zu dienen. Später wurde die Guet dem Kommando der Garde unterstellt und vollständig integriert. Das neue Kommando übernahm weitreichende Verantwortung. Von der Verfolgung von Kriminellen über die Überwachung der Brotpreise, die Aufrechterhaltung des Verkehrs auf den Straßen, die Beilegung von Streitigkeiten bis hin zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Die Beziehung der Pariser*innen zur Polizei war geprägt von Misstrauen und Feindseligkeit. Zu Beginn der Revolution ging die Polizei hart gegen Demonstranten vor, wechselte aber schnell die Seiten, infiziert von den revolutionären Ideen.

Die Krankenhäuser

Die meisten Krankenhäuser gewährten den Patienten mehr spirituelle Hilfe als medizinische. Kein Wunder, denn sie wurden von der Kirche betrieben. Das größte Hospital, Hôtel-Dieu, zerstörten die Feuer in den Jahren 1718, 1737 und 1772 vollständig. Das Personal bestand aus Mitgliedern der religiösen Orden. Aufgenommen wurden sowohl Kranke als auch Mittellose. Ein Bett mussten sich 3 bis 4 Patienten teilen, denn das Haus war permanent überbelegt.

Verwundete beziehungsweise verkrüppelte Soldaten behandelte das Hospital Les Invalides. Patienten mit ansteckenden Krankheiten hingegen beherbergte das Hôpital de la Santé im Vorort Saint Marcel. Findelkinder versorgte im Stadtteil Saint Antoine das Haus Les Enfants Trouvés. Es lag unweit der Bastille. 1784 gründete die Stadt auf dem Boulevard Port Royal ein Hospital für Seuchen, die beim Geschlechtsakt übertragen wurden. Im Vorort Saint Honoré stiftete der Industriebaron Beaujon im Jahre 1785 ein Waisenhaus.

Ein sehr großes und spezielles Haus war das Hôpital de la Salpêtrière im Stadtteil Saint Victor. Mehr Gefängnisse als Krankenhaus diente es Paris zur Unterbringung von Prostituierten, die die Straßen bevölkerten. Sie mussten aus den Augen der Bürger verschwinden, da sie dem Erzbischof ein Dorn im Auge waren.

Gebärende Frauen, in der Regel mittellos, sperrte man im Hôtel Dieu ein. Sie durften keinen Besuch empfangen, außerdem das Krankenhaus nicht verlassen. Speziell markierte Kleidung brandmarkte sie im Falle einer Flucht. Sie schliefen in großen Betten für 4 Personen. Erst im Jahre 1795 wurde die erste Geburtenklinik in Paris eröffnet.

Die Gefängnisse und die Einführung der Guillotine

Das königliche Gefängnis Grand Châtelet war das älteste in Paris. Die Haftbedingungen kann man als speziell bezeichnen. Im Folgenden einige Ausführungen zu den Besonderheiten.

Allgemein

Das Grand-Châtelet war nach dem Galgen von Montfaucon das unheimlichste Bauwerk in Paris, sowohl aufgrund seiner Physiognomie und seiner Bestimmung als auch aufgrund seiner Nachbarschaft, die diesen Bezirk zum übelriechendsten Gebiet der Hauptstadt machte.

Im Mai 1783 zählte man im Grand Châtelet 305 Gefangene, im Mai 1790 350, die als gefährliche Kriminelle galten – als am 13. Juli 1789 die Gefängnisse gestürmt wurden, machte man um das Châtelet einen Bogen.

Am 25. August 1790 wurde der Gerichtshof im Châtelet aufgelöst, seine Arbeit endete am 24. Januar 1791. Das Gefängnis jedoch blieb erhalten. Bei den Septembermorden 1792 befanden sich 269 Gefangene im Châtelet, von denen 215 bis 220 getötet wurden – alles zweifelsfrei Kriminelle, die mit den Adelsverschwörungen der Zeit nichts zu tun hatten.

Das Grand Châtelet wurde 1802 auf Befehl Napoleon Bonapartes abgerissen. Die Baulücke, die der Abriss hinterließ, wurde genutzt, um die Place du Châtelet anzulegen.

Die Gefängniszellen

Die Gefängniszellen in östlichen Teil des Châtelet wurden in drei Kategorien unterteilt: die Gemeinschaftsräume im Obergeschoss, die als „geheim“ bezeichnet wurden und die Gruben in den Kellern. Während der Besetzung von Paris durch die Engländer listet eine Verordnung von Heinrich VI. von England von Mai 1425 die Zellen auf. Die ersten zehn waren am wenigsten schrecklichen, ihre Namen waren: Les Chaînes, Beauvoir, Motte, Salle, Boucheries, Beaumont, Grièche, Beauvais, Barbarie und Gloriette. Die folgenden waren viel abscheulicher, ihre Namen sprechen für sich: Le Puits, les Oubliettes, l’Entre-deux-huis, la Gourdaine, le Cerceau (der Brunnenschacht, das Verlies, das zwischen Tür und Angel, der Nachen, der Bogen). Schließlich die letzten beiden, die besonders grausam waren:

  • Die Grube, auch Chausse hypocras („Hose des Hippokrates“) genannt, in die die Gefangenen mit einer Riemenscheibe abgesenkt wurden.[2] Sie scheint die Form eines umgedrehten Kegels gehabt zu haben: die Gefangenen hatten ihre Füße permanent im Wasser und konnten weder stehen noch sich hinlegen, man starb dort normalerweise innerhalb von zwei Wochen.
  • Fin d’aise (Ende der Bequemlichkeit), die mit Müll und Reptilien gefüllt war. 1377 wurde hier Honoré Paulard hinabgelassen, ein Pariser Bürger, der angeklagt war, seine Eltern, seine Schwestern und drei weitere Personen vergiftet zu haben, um an deren Erbe zu gelangen; er starb innerhalb eines Monats.

Für die Haft hier gab es einen Tarif. Gefangene mussten z. B. für ihre Inhaftierung pro Nacht zahlen, sowie einen Zuschlag, um ein Bett zu bekommen. Der Tarif variierte je nach Stand: Graf, Bannerherr, Ritter, Knappe, Lombarde (italienischer Geldverleiher), Jude und andere.

Weitere Gefängnisse

Die Bastille und das Château de Vincennes beherbergten hochrangige politische Gefangene. Sie genossen fast luxuriöse Bedingungen. Als einer der letzten Insassen des Château de Vincennes überführten die Behörden den Marquis de Sade 1784 in die Bastille. Priester und andere Geistliche, die Verbrechen begingen, verbrachten die Haft in den Gefängnissen der Kirche, die auch über sie urteilte. Fast jede Gemeinde hat einen Kerker. Berühmt wurde der Kerker der Abtei Saint-Germain-des Pres, da dort in der letzten Dekade des Jahrhunderts Insassen grausam hingerichtet wurde. Das Vorspiel zur Schreckensherrschaft.

Schwerverbrecher wohnten im l’Eveque ein, das Platz für etwa 200 Insassen bot. Außer den königlichen und kirchlichen Gefängnissen gab es im Paris des 18. Jahrhunderts auch Anstalten im Privatbesitz. Einige nahmen säumige Steuerschuldner auf, andere dienten Eltern als Besserungsanstalten für ihre Kinder. Der spätere Revolutionär Louis Antoine de Saint-Just wurde von der Mutter dort untergebracht. Er floh jedoch und stahl zu dem das Familiensilber.

Die Guillotine

1789, um eine humanere Methoden für die zahlreichen Hinrichtungen zu ermöglichen, erfand Joseph-Ignace Guillotine eine Maschine zum Köpfen. Die Guillotine. Behilflich waren ihm der Piano- und Harfen-Hersteller Tobias Schmidt und der Chirurg Antoine Louis. Am 25.04.1792 wurde der Dieb Nicholas Jacques Pelletier als erster mit der Guillotine hingerichtet.

Die Universitäten und les Grandes Écoles

Die Pariser Universität, die Sorbonne, büßte im 17. Jahrhundert an Qualität und Einfluss ein. Sie war in erster Linie ein theologische Hochschule und spielte nur eine untergeordnete Rolle in der wissenschaftlichen Entwicklung und der Aufklärung. Die Rechtsfakultät lehrte nur Kirchenrecht, die medizinische Hochschule genoss wenig Prestige, da sie mit den Friseuren in eine Berufsgruppe eingegliedert wurden.

Während die Sorbonne verkümmerte, blühten neue Schulen auf, die Militärwissenschaft und Ingenieurwesen lehrten. Der Revolutionsrat wollte in Paris ein säkulares, stark zentralisiertes Bildungssystem aufbauen. Einige dieser Fachhochschulen wurden bereits vor der Revolution gegründet. Frankreich 1. Ingenieur-Hochschule wurde 1747 gegründet, die Schule für Brücken und Straßen. Die Militärhochschule folgte in 1950. Ihr berühmtester Absolvent war in 1785 Napoleon Bonaparte, der das zweijährige Studium in einem Jahr schaffte. 1794 erblickte die Polytechnische Hochschule das Licht der Welt, die Napoleon zur Militär-Akademie umformte. Die École Normale Supérieure bildete Lehrer aus. Einige der besten französischen Wissenschaftler fanden sich in ihren Reihen. Die hervorragend ausgebildeten Lehrer und Ingenieure brachten im 19. Jahrhundert die industrielle Revolution in Frankreich in Gang.

Religionen und die Freimaurer

Die große Mehrheit der Pariser war zumindest nominell römisch-katholisch, und die Kirche spielte eine enorme Rolle im Leben der Stadt. Im Laufe des Jahrhunderts nahm der Einfluss ab, nicht zuletzt aufgrund der Aufklärung.

Die katholische Kirche

Die Kirche betrieb die Krankenhäuser und sorgte für die Gesundheitsversorgung in der Stadt. Fürsorgeeinrichtungen für die Armen sorgten für deren Lebensunterhalt. Der Oblag die Leitung der Bildungseinrichtungen, von den Pfarrschulen bis zur Universität von Paris. Adel und Klerus waren eng miteinander verbunden. Die Erzbischöfe, Bischöfe und andere hohe Persönlichkeiten der Kirche stammten aus Adelsfamilien, förderten ihre Verwandten, lebten mit pompösem Luxus, lebten nicht immer ein hochmoralisches Leben.

Konflikte erschütterten die Kirche. Dominikaner, Franziskaner, Jakobiner, Kapuziner, Jesuiten und viele andere gründeten Klöster in der Stadt. Diese Einrichtungen unterstanden dem Papst in Rom und nicht dem Erzbischof von Paris, was bald für Ärger sorgte. Der Rektor der Sorbonne unterstützte den Erzbischof, nicht den Papst in Rom. Darauf hin entschlossen sich die Jesuiten an der Sorbonne ein eigenes Kolleg zu gründen und bauten ihre eigene Kirche, Saint-Louis, in der Rue Saint-Antoine. Die Jesuiten weigerten sich, Madame de Pompadour, der Herrin des Königs, die Absolution zu erteilen, weil sie nicht mit ihm verheiratet war, 1763 und 1764 schloss der König die Jesuitenkollegien und vertrieb den Orden aus der Stadt. 

Voltaire und andere Philosophen bestritten eine unbestrittene Akzeptanz der Lehren der Kirche. Paris sah die Auseinandersetzung der etablierten Kirche mit dem Jansenismus, dem größtenteils großbürgerliche Anhänger folgten. Paris wurde zu einem Schlachtfeld zwischen der etablierten Kirche und den größtenteils großbürgerlichen Anhängern einer Sekte namens Jansenismus. Sowohl Louis XIV. als auch der Papst verfolgten sie heftig. die 1623 in Paris gegründet und sowohl von Ludwig XIV. als auch vom Papst heftig verfolgt wurde. Der Erzbischof von Paris verlangte, dass Sterbende ein Dokument unterzeichnen, das dem Jansenismus abschwört. Wenn sie sich weigerten, zu unterschreiben, wurden ihnen die letzten Riten der Kirche verweigert.

Die protestantische Kirche

Die königliche Macht beschränkte im 18. Jahrhundert die protestantische Kirche stark in ihrem Wirken. Lediglich ein Gotteshaus in Chareton erlaubte sie den Protestanten. Calvinisten und Lutheraner zählten nicht mehr als 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung. 1787 gewährte die königliche Regierung mehr Spielraum, der jedoch von der katholischen Kirche zusammen mit der Stadtverwaltung boykottiert wurde. Nach der Revolution erlaubte der Bürgermeister Bailly die Nutzung der Kirche Saint-Louis-Saint-Thomas, die in der Nähe des Louvre lag.

Die jüdische Kirche

Die kleine jüdische Gemeinde im Paris des 18. Jahrhunderts zählte etwa 500 Mitglieder. 2 Gemeinden der sephardischen Juden, ursprünglich aus Spanien und Portugal kommend, die in Saint-Germain-des-Pres lebten. Sie arbeiten überwiegend in der Seidenindustrie und in der Herstellung von Schokolade. Auch am Handel beteiligten sie sich rege. Eine größere Gemeinde bestand aus aschkenasischen Juden, die aus dem Elsass, den Niederlanden und aus Polen stammten. Die meisten von ihnen lebten in der Nachbarschaft der Kirche Saint-Merri. Unter ihnen waren Bänker, Seidenhändler und Juweliere. Erst im 19. Jahrhundert gestattete der französische Staat offiziell die Ausübung ihrer Religion.

Die Kirche der Freimaurer

Die Freimaurer waren keine Religionsgemeinschaft, aber funktionierten nach demselben Muster. Sie übten im 18. Jahrhundert einen starken Einfluss auf die Ereignisse in Paris aus. Die 1. Loge in Frankreich, die Grand Loge de France gründete sich am 24. Juni 1738 in der Rue des Boucheries. Der Duke of Antin leitete sie. Später gab es 16 Logen in Paris, geleitet vom Großmeister Graf von Clermont, der enge Beziehungen zur Königsfamilie unterhielt. Die Gruppe der Freimaurer bestand aus Aristokraten, Wohlhabenden, hohe Vertreter der Kirche und Wissenschaftlern. Sie glaubten an Freiheit und Toleranz und unterstützten leidenschaftlich die Thesen der Aufklärung. 1737 veröffentlichten die Freimaurer die Enzyklopädie Diderot. Sie wurde laufend ergänzt. Die Enzyklopädie ist eines der Hauptwerke der Aufklärung. Sie umfasst mehr als 70.000 Artikel.

In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Duke of Chartes neuer Großmeister. Er war der Sohn des Duke of Orleans. Ihm gehörte der Palais Royal.

Die Freimaurer trafen sich nun regelmäßig in Cafés und in politischen Clubs. Ihrem Fortschrittsgeist verdankt Paris neue Ideen. Während der Schreckensherrschaft wurden die meisten Freimaurer zur Emigration gezwungen beziehungsweise durch die Guillotine getötet.

Alltagsleben

Wohnen

Im 18. Jahrhundert wurden die Häuser der Reichen größer und größer. Sie zogen aus dem Marais und der Innenstadt vermehrt in die Vororte Saint Antoine, Saint-Germain und Saint Honoré. Allerdings verblieben einige besonders repräsentative Gebäude wie Hotel de Soubise, the Hotel de Sully und Hotel Carnavalet, inzwischen ein Museum, im Marais. Das Hotel Matignon im Vorort Saint-Germain (heute Sitz des Premierministers), erbaut in 1721, stand inmitten einer Fläche von 4.800 Quadratmetern zuzüglich 18.900 Quadratmetern Garten.

Ein typischer Haus in der Innenstadt bedurfte 120 Quadratmeter Fläche. Es wurde nach den von Louis XIV. festgelegten Baunormen errichtet. Die Parterre belegten häufig 2 Ladengeschäfte mit dem Eingang zur Straße und einem Appartment hinter dem Laden, in dem in der Regel die Inhaber wohnten. Über den Eingang durch einen Korridor und über die Treppe führte der Weg in die oberen Geschosse. Von dort gelangte man auch in den schmalen Hinterhof. Über der Parterre befanden sich drei Wohngeschosse. Nur wenige Häuser waren aus Holz errichtet worden, die meisten bestanden aus Kalkstein. Der Stein kam aus den Gruben von Arcueil, Vaugirard oder Meudon. Sie bestanden aus vier beziehungsweise 5 Räumen. Das Pflaster lieferten die Gipsstollen unter Montmartre und der Umgebung der Stadt.

Erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert wurde in die ersten Appartements mit einer Toilette beziehungsweise einem Bad ausgestattet.

Essen und Trinken

Weißbrot, Fleisch und Wein, Das Brot mit dicker Kruste, um die Fleischbrühe damit aufsaugen zu können, war das Standard-Essen. Die Armen mussten sich mit Brot, Gemüse und Käse begnügen. Der Brotpreis wurde politisch reguliert, da in ihm enormer sozialer Sprengstoff lag, der sich 1789 endgültig entzündete und zum Fall des Systems führte.

Metzgereien, verteilt über die gesamte Stadt, schlachteten die Tiere in den Hinterhöfen ihrer Läden. Das Blut floss in die Straßen hinein. Die besseren Teile verkauften sie an Adlige und reiche Bürger. Ärmere aßen vom Schaf und Schwein die Saucen, Kopf und Gehirn, Kutteln, gepökeltes Schweinefleisch und andere billige Reste der Schlachtungen. Das Fleisch, das die Reichen übrigließen wurde gesammelt und von spezialisierten Verkäufern in den Handel zurückgebracht.

Wein war die dritte Ernährungskomponente. Die Betuchten bevorzugten Wein aus Bordeaux oder Burgund. Die Weine, die die Mittelklasse und die Arbeiter tranken, wurden in Fässern aus dem gesamten Königreich nach Paris gebracht. 1725 gab es um die 1.500 Weinhändler in der Stadt. Sehr zur Freude der königlichen Steuereintreiber, denn Wein wurde am höchsten von allen Produkten besteuert. Der Wein, der per Boot Paris erreichte, wurde etwas höher besteuert, als der über Land angelieferte. Steuerbeamte waren eben schon immer erfinderisch.

Aber auch die Steuerzahler. Um Steuern zu vermeiden, eröffneten hunderte von Weinstuben Lokale außerhalb der Steuergrenzen, am Rande von Paris. In Belleville, Charonne, einer Barackenstadt genannt Petite-Pologne, Les Porcherons, und La Nouvelle-France. In diesen Lokalen wurde ein Glas nur mit dem Bruchteil des Steuersatzes belegt, der innerhalb von Paris galt. Die Pariser hassten die Steuer. das war auch ein wesentlicher Grund für die wachsende Feindseligkeit, die sie der Regierung entgegenbrachten.

Trinkwasser

Reiche Pariser verfügten über einen eigenen Brunnen. Für alle anderen stellte die Trinkwasserversorgung ein erhebliches Problem dar. Die Seine war seit dem Mittelalter durch menschliche und tierische Exkremente sowie die Abfall-Chemikalien der Gerbereien. Die vielen Friedhöfe in unmittelbarer Nähe des Flusses taten ein Übriges.

Der Polizeichef Gabriel Nicolas de la Reynie verbot die Wasserentnahme an den Kais des Celestins und de Louvre. Der normale Pariser musste sein Trinkwasser aus den Quellen im Umfeld der Stadt holen. Ein Ärgernis für die Bürger, denn sie waren kostenpflichtig, nachts geschlossen und stets überbevölkert. Entweder die Bürger holten das Wasser selbst, entsandten einen Diener oder kauften es von mobilen Wasserhändlern in der Stadt, die sich die Leistung natürlich bezahlen ließen.

Fortschrittliche Bürger legten Springbrunnen frei, die mit Druck aus der Erde schossen. Einen an der École Militaire, der acht Meter hoch schoss. Aber das Wasser war heiß und schmeckte nicht.

Die Perrier Brüder revolutionierten 1776 die Wasserversorgung. Mittels von Dampf angetriebenen Pumpen lieferten sie 3 Millionen Liter Wasser aus Chaillot und Gros-Caillou in die Stadt. Doch aufgrund feindseliger Attacken der nun arbeitslosen Wasserträger erlitten sie einen Bankrott. Die Stadt übernahm das Unternehmen. Erst Napoleon löste das Trinkwasserproblem, indem er einen Kanal vom Qurcq River bauen ließ.

Öffentliche Waschplätze

Lange, flache Bootskörper, geschützt durch Holz- oder Strohdächer standen den Wäscherinnen an bestimmten Plätzen zur Verfügung, um die Wäsche im Fluss zu waschen. Die Booteigner erhielten von ihnen einen Obolus. 1714 gab es etwa 80. Jeweils sechs Paare langen vor Anker an Notre Dame, nahe der Brücke Saint-Michel und in der Nähe der Straße de l’Hôtel-Colbert. Bevorzugt lagen sie am rechten Flussufer, da dort die Sonne die Wäsche besser trocknete.

Öffentliche Bäder

Badewannen benutzten nur die Reichen in den vornehmen Bezirken Marais und Saint-Germain. Der Rest der Pariser badete entweder gar nicht oder ging in eines der öffentlichen Badehäuser. Gegen eine Gebühr gab es eine heiße Kanne Wasser. Sinnigerweise wurde die Badehäuser besonders hoch besteuert, sodass nur wenige überlebten.

Im Sommer badete man in den flachen Badekähnen an der Seine, Nachdem die Gebühr bezahlt war, ging über eine Holztreppe vom Kahn in den Fluss. Holzpfähle markierten den Schwimmbereich, die zahlreichen Nichtschwimmer benutzten einen durch Seile abgegrenzten Bereich. 1770 gab es 20 Schwimmkähne an Cours-la-Reine, dem Kai du Louvre, dem Kai Conti, entlang des Palais-Bourbon, und am westlichen Ende der Île-de-la-Cité ein Bad, das der Domherr von Notre-Dame eröffnet hatte.

Männer und Frauen badeten nicht zusammen. Obwohl Badekleidung angeboten wurde, badeten die meisten nackt. Regelmäßig schwammen Männer in die für Frauen vorgesehen Bereiche, oder sie schwammen am Ufer entlang in vollem Blick der Spaziergänger.

In 1723 hatte der Polizeichef die Nase voll. Er ordnete ihren Verbannung in die Außenbezirke der Stadt, da sie die öffentliche Moral untergruben. Doch sie blieben einfach in der Innenstadt, da sie sich großer Popularität erfreuten. Erst 1783 verbot man das Baden im Fluss während des Tage. In der Nacht blieb es erlaubt.

Presse, Zeitschrift und die Post

1777 erschien die erste Tageszeitung in Paris. das Journal de Paris. Vier Seiten stark, gedruckt auf schmalen Blättern Papier, konzentrierte man sich auf lokale Nachrichten. Der königliche Zensor musste die Veröffentlichung freigeben. Erst nachdem im Zuge der Revolution die Zensur abgeschafft wurde, gewannen Zeitung an politischer Bedeutung.

Seriöse Zeitung erschienen wie das Journal des Débats. Aber darüber hinaus Tausende kleiner Flugblätter, die sich in einer blumigen Sprache den täglichen Aktualitäten widmeten. Doch schon 1792 führte Robespierre die Zensur wieder ein, verbot oppositionelle Zeitungen und schloss Druckhäuser. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Pressefreiheit erneuert.

Monats- beziehungsweise Wochenzeitschriften tauchten zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf. Der Mercure de France. Bei einem Wettbewerb des Magazins schrieb Jean-Jacques Rousseau sein erstes wichtiges Essay. „Debatte zu Kunst und Wissenschaft“ brachte ihm öffentliche Aufmerksamkeit.

Das Journal des Savants verbreitete die neuesten wissenschaftlichen Entdeckungen. Gegen Ende des Jahrhunderts veröffentlichen Journalisten spezielle Publikationen zur Mode, für Kinder, zu medizinischen Fragen sowie historischen und wissenschaftlichen Themen. Außerdem brachte die katholische Kirche das geheime Journal Nouvelles Eccléstiastiques heraus. Dahinter standen die Jansenisten, die von der katholischen Kirche bekämpft wurden.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts existierte nur ein rudimentärer Post-Service. Boten zu Pferd transportierten Briefe in andere französische Städte und ins Ausland. In Paris gab es diesen Service nicht. Die Pariser mussten entweder die Post selbst an den Adressaten bringen oder einen Bediensteten damit beauftragen. Da man London in nichts nachstehen wollte, dort gab es in London die „penny post“, gründeten Bürger eine private Firma, die Petite Post genannt wurde. 1760 ging es los. Ein Brief kostete 2 Sous. Es gab 3 Auslieferungen pro Tag. Es wurde ein Erfolg: 9 Büros über die Stadt verteilt entstanden, pro Büro arbeiteten 20 – 30 Briefträger, die die in 500 Briefkästen gesammelte Post auslieferten.